Gedanken zum Thema „richtig“ Reiten

Lind GO 2017 Sen RR - 1

 

 

 

 

 

 

Die neuen Medien, wie z.B. Facebook sind schon interessant, man bekommt eine Menge davon mit wie Leute denken und handeln. Das finde ich spannend.

In der Reiterwelt wird viel diskutiert über das „richtige“ Reiten. Da gibt es eine Menge vorgefertigte Meinungen wie man es „richtig“ zu machen hat. Wie der Reiter zu sitzen hat, wie man den Zügel benutzt, wo der Kopf des Pferdes zu sein hat usw.

Wer ein Bild postet, kann gleich auf einen Shit Storm gefasst sein. Bestimmt finden die „Fachleute“ etwas, das falsch ist und machen denjenigen nieder. Immer wird nur das Schlechte gesehen, dabei ist es wichtiger das Gute zu finden.

Ich reite seit gut 45 Jahren im Western Sattel, bin Dressur geritten, für meine Pferdwirtschaftsmeister Prüfung auch gesprungen, habe den Western Trainer Schein, das Silberne Fahrabzeichen und ich denke, ich habe ein bisschen Erfahrung mit Pferden in verschiedenen Verwendungen und Reitweisen.

Ich habe viele Trainer und Reitlehrer kennengelernt und ihnen zugesehen, immer in dem Bemühen zu lernen und mehr zu verstehen. Ich habe überall etwas mitnehmen können.

Dabei ist mir eines klar geworden:

1.Es gibt viele Wege die zum Ziel führen und es gibt auch sehr viele verschiedene Ziele.

2. Man kann niemanden kopieren – nur seinen eigenen Weg finden.

3. Reiten ist Gefühl und Timing und das lernt man von den Pferden.

4. Wer sich immer nur an Äußerlichkeiten aufhält, der erlangt nicht das Verständnis hinter den Dingen.

Ich habe Ray Hunt ein schwieriges Pferd am Vorderbein mit dem Rope einfangen sehen, das hat wunderbar funktioniert. Bei jedem anderen hätte das in die Katastrophe geführt, aber er wusste was er tat und hatte das Können und das Gefühl. Philippe Karl bekommt viele Pferde weich im Maul mit seinen hohen Händen (die er ja nur für einen Moment so hoch nimmt), auch er hat das Gefühl und kann diese Methode ideal einsetzten. Bei einigen seiner Schüler bringt es überhaupt nichts, weil sie nicht verstehen was sie tun. Jean Claude Dysli packte die Pferde im Maul ganz schön an, aber er wusste genau wann er wieder loslassen musste und die Pferde wurden bei ihm weich und willig. Wer das nachmacht und nicht das richtige Timing hat, tut ihnen einfach nur weh.

Es reicht nicht „eine Methode“ zu kopieren, man braucht das Gefühl für den passenden Moment und die Dosierung der Hilfe.

Was nützt es die Hilfe nach Lehrbuch „richtig“ zu geben, wenn das Pferd das Buch nicht gelesen hat?

Alle Hilfen sind erlernte Signale. Wenn das Pferd nicht auf die Hilfe reagiert, hat es nicht verstanden, was der Reiter von ihm will.

Die Angst etwas falsch zu machen, hindert viele Reiter daran ihr Gefühl zu entwickeln. Wenn etwas nicht funktioniert, muss ich es nicht 100x wiederholen, sondern ich muss andere Wege ausprobieren, dazu muss ich dann auch den Weg nach „Lehrbuch“ manchmal verlassen. Alles ist erlaubt, wenn es ungefährlich ist und keinem weh tut.

Pferde sind Lebewesen und haben individuelle Charaktere und Eigenschaften, ein Weg der für das eine Pferd ideal ist, kann für das Nächste unbrauchbar sein.

Es macht einen guten Profi aus, dass er sich auf unterschiedliche Pferde einstellen kann und ihnen zuhört. Von einem Amateur kann ich das nicht immer erwarten, der braucht dann einen Reitlehrer, der zwischen ihm und dem Pferd vermittelt.

Wenn Reiter und Pferd sich verstehen und vertrauen, dann wird reiten leicht und harmonisch – und dann ist es „richtig“ im Sinne von passend für diese Beiden.

Für den Einen ist das ein Galopp durch den Herbstwald am langen Zügel, für einen Anderen eine perfekte Traversale, für den Nächsten ein harmonischer Ritt durch eine Pattern – es gibt viele Ziele und viele Wege.

Habt den Mut euren eigenen Weg zu finden und hört auf Eurer Pferd, es sagt Euch wann es „richtig“ ist – das fühlt ihr.

 

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